Was ist Endokrinologie?

In der Inneren Medizin kann man verschiedene Schwerpunkte unterscheiden, die auch als Teilgebiete bezeichnet werden. Eines davon ist das Teilgebiet der Endokrinologie und Diabetologie, das sich vorwiegend mit den Hormonen und dem Stoffwechsel beschäftigt.

Was sind Hormone?

Für jede Art des Zusammenlebens sind Kommunikationsstrukturen notwendig, so auch in allen Organismen. In allen tierischen Lebewesen gibt es dazu – vergleichbar mit modernster Kommunikationstechnologie – ein LAN-Netz, – das Nervensystem-,  bei dem fest verdrahtete Verbindungen bestehen und ein WLAN-Netz, – das Hormonsystem -, das seine Informationspakete – die Hormone – in der Regel über das Blut aussendet. Jede einzelne Zelle hat spezielle Andockstellen, – die Hormonrezeptoren – die letztendlich bestimmen , welche Zellen welche Information erhalten.

Dass lediglich Befehle aus einer Zentrale abgeschickt eine Struktur nicht am Leben erhalten können, hat sich in der Zwischenzeit doch herumgesprochen. Unser Organismus weiß das schon lange. Feinste Feedbacksysteme, Regelmechanismen, von denen wir heute schon so einige kennen, sorgen für das fantastische Zusammenspiel der unterschiedlichen Organe! S. Abb.

Typischer Regelkreis in der Endokrinologie: die Hypophyse steuert die Produktion des männlichen Hormons, des Testosten mittels LH. Ist genügend Testosteron vorhanden, so wird die LH-Produktion der Hypophyse vermindert, damit weniger Testosteron gebildet. Das männliche Hormon stimuliert die Muskelbildung und damit auch den Grundumsatz.
Der Abbau des Testosteron erfolgt u.a. im Fettgewebe; dort wird es zum weiblichen Hormon, dem Östradiol abgebaut. Da Östradiol ebenfalls die Produktion von LH in der Hypophyse reduziert, kann leicht erklärt werden, warum mit der Zunahme des Fettgewebes die Testosteronkonzentration im Blut sinkt und damit auch der Grundumsatz niedriger wird. Die Folge ist eine weitere Zunahme des Fettgewebes; wohl eher ein Teufels- als ein Regelkreis!

Ohne die Hormone wären so komplexe Vorgänge wie Wachstum, Entwicklung, Fortpflanzung, Bewältigung von Stress und Krankheiten und eine Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen nicht möglich! Immer mehr erkennen wir dabei auch, wie wichtig die Kommunikation mit dem direkten Zellnachbarn , die Parakrinie ist. Darüber hinaus erfordert auch die Organisation der Stoffwechselvorgänge innerhalb einer Zelle  Botenstoffe und Rezeptoren, das autokrine Hormon-System.   

Die Endokrinologie: ein spanndes Teilgebiet der Inneren Medizin!

Insbesondere in Deutschland beschäftigt sich die Endokrinologie aber fast ausschließlich mit den hormonproduzierenden Drüsen (Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebennierenrinde, Nebennierenmark sowie mit den Ovarien und Hoden). Mit Mühe und Not haben die Alpha- und Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die ja auch exokrine Funktionen hat, ihre Aufnahme in die Endokrinologie geschafft!

Die ganze Bandbreite der Gewebshormone des Darms, der Nieren, des Herzens, des Gehirns, des Fettgewebes,  der Muskulatur, des Immunsystems – um nur die wichtigsten zu nennen – werden in den Weiterbildungsrichtlinien zum Endokrinologen nicht einmal erwähnt. Die Teilnahme von Endokrinologen an der Erforschung dieser Hormone und Regelkreise hätte aus meiner Sicht nur Vorteile!

Sport und Hormone

Sport und Bewegung sind wesentliche Faktoren, die die Häufigkeit von vielen Erkrankungen erheblich reduzieren. Beim Sport ist eine Vervielfachung des Stoffwechsels typisch. Das Ausmaß der Stoffwechselsteigerung wird dabei in MET (metabolische Äquivalent) angegeben, wobei 1 MET dem Grundumsatz entspricht.

Damit das überhaupt funktionieren kann, damit genügend Brennstoff zur Verfügung gestellt werden kann, steigern die arbeitenden Muskelzellen die Bildung von Laktat und von vielen verschiedenen Myokinen (Muskel-Hormonen), die neben intrazellulären Wirkungen (also autokrin) und der Beeinflussungen anderer Muskelfasern (parakrin) auch einen Link zwischen dem Energiebedarf und der Logistik der Energiebereitstellung aus anderen Organen darstellen (also endokrin).

Der Zusammenhang zwischen der Ausschüttung verschiedenster Myokine und der Reduktion von Erkrankungshäufigkeiten durch Sport ist ausgesprochen spannend, steckt aber noch in den Kinderschuhen.

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