Physical Working Capacity 130

Unter der Physical Working Capacity 130 versteht man, wieviel Watt eine Person bei einer Herzfrequenz von 130 Herzschlägen pro Minute zu leisten in der Lage ist.

Blutdruck und Herzfrequenz bei einer Stufenbelastung mit 40 – 160 Watt auf dem Fahrradergometer. Mann, 65 J, 75 kg

 

Dieser Parameter ist weitgehend von der Willkür der untersuchten Person unabhängig und eignet sich deswegen auch hervorragend zur gutachterlichen Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit einer Person. Bei ängstlichen Personen kann die Angst-vermittelte Pulsbeschleuningung allerdings zu einer ganz massiven Unterschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit eines Probanden kommen.

Die PWC 130 wird ermittelt, indem man die untersuchte Person einer ansteigenden Leistung – bevorzugt auf einem Fahrradergometer aussetzt.  An Hand der Daten wird die Belastung in Watt interpoliert, die bei einer Herzfrequenz von 130 Schlägen pro Minute erreicht wird. Diese Belastung wird durch das Körpergewicht des Probanden dividiert, ergibt die PWC 130 in Watt/kg.

Neben der PWC 130 spielen die PWC 150 und 170 eine gewisse Rolle, für den Bereich des Gesundheitstrainings sind diese Werte aus meiner Sicht allerdings weitgehend ohne Belang, da Herzfrequenzen von mehr als 150 Schlägen pro Minute meist erst weit jenseits der 2. Laktatschwelle zu messen sind.

Ermittlung der Physical Working Capacity 130 bei dem Probanden aus der vorherigen Abbildung: Es wird die Belastung in Watt interpoliert, die bei einer Herzfrequenz von 130 Schlägen pro Minute erreicht wird. Diese Belastung wird durch das Körpergewicht des Probanden dividiert (132 Watt / 75 kg PWC 130 = 1,76 Watt/kg)

Als goldener Standard zur Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit wird die VO2max angesehen. Dieser Parameter wird mittels Spiroergometrie ermittelt. Er gibt an, wie viel Sauerstoff (in ml/min/kg Körpergewicht) bei maximaler, körperlicher Belastung verbraucht wird. In großen Studien zeigte sich dabei eine klare Abhängigkeit des Parameters vom Alter und Geschlecht. In einer Studie von Kaminsky et al (2017) nahm die VO2max um 1 % pro Lebensjahr in  ab. Ein Teil der Abnahme der VO2max dürfte darauf zurück zu führen sein, dass die maximale Herzfrequenz,  bei der von einer Ausbelastung eines Probanden ausgegangen wird, altersabhängig definiert ist (90 % der Differenz aus 220 und Alter in Jahren).  Frauen wiesen in allen Altersstufen eine eine um gut 20% geringere VO2max auf als Männer.

Das Problem der Bestimmung der VO2maxist eine wirklich maximale Leistung zu erreichen. Das kann beim ehrgeizigen Probanden besonders im Anschluss an die Belastung zu erheblichen Problemen führen. Ich selbst erinnere mich an sportmedizinische Untersuchungen, bei denen typischerweise auch eine VO2max ermittelt wird, an Erbrechen, mit massiven Schweißausbrüche direkt nach der Belastung. – Klar wollte ich beweisen, was ich noch drauf habe (Laktat 13 mmol/l)! Solche Untersuchungen machen zur Trainingssteuerung zumindest im Gesundheitssport in meinen Augen keinen Sinn!

Beurteilung der PWC 130 für Männer: Hier 65 jähriger Proband; 75 kg Körpergewicht; Puls von 130 Schlägen / Minute bei 132 Watt. Somit errechnet sich eine PWC 130 von 1,76 Watt / kg.

 

Auch die PWC 130 zeigt eine klare Abhängigkeit vom Alter und Geschlecht. In der Literatur werden allerdings meist nur untere Normwerte angegeben. In Anlehnung an die Arbeiten zur VO2max  haben wir in der die PWC 130 Werte für Männer angepasst (-0,5 % / Lebensjahr, 30. LJ = 100 %).

Beurteilung der Physical Working Capacity 130 für Frauen: Hier 35 jährige Probandin; 60 kg Körpergewicht; Puls von 130 Schlägen / Minute bei 120 Watt. Somit PWC 130 von 2,0 Watt / kg.

Die Beurteilungen der PWC für Frauen folgt dem der Männer, allerdings auf einem um 20 % niedrigeren Niveau. Diese in den Abbildungen verwendete Beurteilung haben sich in der Arbeit in unserer Praxis und auch im Fitnessstudio meiner Tochter (Injoy-Feldkirchen) bewährt, und in der Zusammenschau mit weiteren Parametern als sinnvoll erwiesen.

Auf die mögliche Fehlerquelle einer hohen Herzfrequenz, die nicht aus einer körperlichen Belastung resultiert, sei ausdrücklich noch einmal hingewiesen!

 

 

 

 

 

 

 

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