Bewegungsmangel ist die Hauptursache für die Zunahme der Adipositas

Definition der Adipositas

Die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, definiert Übergewicht und Adipositas, die Fettleibigkeit als „eine unnormale bzw. exzessive Fett-Einlagerung, die zu Beeinträchtigungen der Gesundheit führen kann“. Dabei definiert die WHO Übergewicht als einen BMI (Body-Mass-Index) von > 25 kg/m². Eine Adipositas liegt vor, wenn der BMI > 30 kg/m² ist.

Weitere Möglichkeiten zur Abschätzung der Adipositas stellen der Broca-Index (mittlerweile übertroffen von der Wertigkeit des BMI), der Taillenumfang, der Hüftumfang sowie das Verhältnis aus Taillen zu Hüftumfang dar. Wenn andere Methoden zur Beurteilung des Ausmaßes der Adipositas nicht vorliegen, so kommt dem Taillenumfang eine durchaus wichtige Rolle zu, da dieser Parameter mit den gesundheitlichen, den Stoffwechsel betreffenden Risiken und mit der erhöhten Mortalität korreliert. (Avenell et al: Systematic review of long-term effects and economic consequences of treatments for obestity and health implications for health improvement. health Technol Assess. 2004 may; 8(21): iii – iv, 1 – 182). Darüberhinaus gibt es vielfältige, aber durchaus als schlecht reproduzierbar beschriebene Möglichkeiten aus den Hautfaltendicken der verschiedensten Körperregionen auf den Fettgehalt des Körpers zurück zu schließen.

Dem Kapitel der Messung der Körperzusammensetzung auf Molekularer Ebene ist das Kapitel: Körperzusammensetzung gewidmet. Wenn die Adipositas durch unnormale bzw. exzessive Fett-Einlagerung charakterisiert wird, so sollte unbedingt auch die Fettmasse zu Charakterisierung der Adipositas verwendet werden. Dazu eignet sich der Fett-Masse-Index (FMI), der in einem eigenen Kapitel beschrieben wird. Zusätzlich wird dort gezeigt, wie die Adipositasgrade mit Hilfe dieses Parameters definiert werden können.

Entwicklung der Adipositas

Entwicklung der Fettleibigkeit bei Männern in Deutschland und in den USADer Anteil an übergewichtigen und adipösen, fettleibigen Kindern und Erwachsenen nimmt weltweit epidemieartig zu. In der beigefügten Abbildung ist die Entwicklung der Fettleibigkeit für Männer in den USA und bei uns in Deutschland dargestellt. Dabei sind die Zahlen der Statistik der WHO entnommen.  Frauen haben in der Zwischenzeit die Männer in den USA in Bezug auf die Fettleibigkeit überholt, hinken bei uns in Deutschland noch geringfügig hinter den Männern her.

Einen erheblichen Einfluss auf die Häufigkeitsverteilung zwischen Männern und Frauen haben offensichtlich auch kulturelle Faktoren. So weisen z.B. in der Türkei  36,2 % der Frauen eine Fettleibigkeit auf aber nur   22,2 % der Männer.

Einen BMI unter 25 kg/m² haben 2014 in Deutschland nur noch 36 % der Männer, bei den Frauen noch etwas mehr als die Hälfte (51,4%). Für die USA: 21,2 % der Männer und 37,1 % der Frauen haben einen  BMI kleiner als 25 kg/m². Bei diesen Zahlen fragt man sich ja wirklich, für wen die Modeindustrie eigentlich produziert, total am Markt vorbei!

Mit der Adipositas sind Erkrankungen wie z.B. Diabetes Typ II, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, die  ein vielfach erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko in sich bergen.  Avenell et al. 2004 haben in einer Übersichtsarbeit gezeigt, dass mit einer Reduktion der Adipositas das Risiko assoziierte Erkrankungen zu entwickeln, erheblich abnimmt.

Warum nimmt der Anteil an übergewichtigen und fettleibigen Menschen so stark zu?

Die wichtigsten Einflussgrößen für die Entwicklung der Adipositas sind der Kalorienverbrauch und die Kalorienzufuhr, da generell davon auszugehen ist, dass überschüssige Energie bei positiver Energiebilanz im Fettgewebe gespeichert wird. Der Kalorienverbrauch wird in wesentlichem Maße durch die Aktivität der Muskulatur beeinflusst. Zusätzlich spielt die Muskelmasse auch für den Grundumsatz  eine wesentliche Rolle.

Kalorienverbrauch eines Landwirtes in den 50ern und eines typischen Schreibtischarbeiters. Sport 2 mal pro Woche erhöht den Kalorienumsatz. Wollte man mit Sport allerdings den Kalorienumsatz eines Landwirtes in den 50ern erreichen, so dürfte man außer Sport fast nicht anderes mehr machen.

Kalorienverbrauch eines Landwirtes in den 50ern und eines typischen Schreibtischarbeiters. Sport 2 mal pro Woche erhöht den Kalorienumsatz. Wollte man mit Sport allerdings den Kalorienumsatz eines Landwirtes in den 50ern erreichen, so dürfte man außer Sport fast nicht anderes mehr machen.

Die Hauptursache für das zunehmende Körpergewicht der Bevölkerung ist die Abnahme der Bewegung! Unsere Großeltern haben bei ihrer körperlichen Arbeit – bei ihren Fußmärschen, bei den sonntäglichen Familienausflügen täglich 3.000 bis 5.000 Kalorien verbrannt. Dagegen kommen unsere zehn Finger auf der Computertastatur nicht an! Schon gar nicht unser Daumen auf dem Handy. Und noch nie war das Angebot an schmackhafte Verlockungen größer und einfacher für jeden verfügbar; man muss nicht einmal mehr dafür lange in der Küche stehen!

Nach Zahlen des Robert Koch Instituts lag der durchschnittliche Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivität in Deutschland bei 30 – 35 METs pro Woche, also bei 4 – 5 METs pro Tag. Das heißt: der Kalorienverbrauch liegt bei 24 METs pro Tag für den Grundumsatz und bei unter 30 METs pro 24 h.
METs x Körpergewicht ergibt die verbrauchten Kalorien. Betreibt jemand 2 x pro Woche intensiv Sport (1,5 Stunden, 600 kcal/h) tut er ja eine ganze Menge! Die zusätzlichen Kalorien von knapp 2000 Kcal pro Woche ergeben immerhin rund 285 Kcal zusätzlich pro Tag. Damit kommt man aber bei Weitem nicht an den Kalorienverbrauch eines Landwirt aus dem Jahr 1950 ran.

Da in der heutigen Zeit schon Kinder sich immer weniger bewegen und damit weniger Muskulatur entwickeln, werden sie heute oft schon selbst bei weitgehend normaler Kalorienzufuhr fettleibig und damit Kandidaten für eine Erkrankung aller Facetten des Metabolischen Syndroms.

Was tun?

Bei der Bekämpfung des Risikofaktors Adipositas ist eine Steigerung des Kalorienverbrauchs durch körperliche Belastung ein sehr wichtiger Faktor. An keiner Stelle sonst kann die Wichtigkeit der Sportwissenschaftler für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung so eindringlich demonstriert werden.

Will man aber den positiven Einfluss der Bewegung auf das Risikoprofil herausarbeiten, so kann man sich nicht nur auf die Messung des Körpergewichtes reduzieren. Es ist vielmehr essentiell, das Körperfettgewebe von der fettgewebsfreien Körpermasse, die in einem hohen Prozentsatz von der Muskulatur gebildet wird, zu differenzieren. (s. Körperzusammensetzung)

Neben dem zusätzlichen Kalorienverbrauch durch Bewegung kommt der Ernährung eine ganz wesentliche Bedeutung zu. Bei der Unzahl an Ernährungsempfehlungen ist nicht einfach zwischen wirklich guten Ratschlägen und völligem Unsinn zu unterscheiden. Übersieht man die „Ernährungsszene“ länger als 45 Jahre, so sieht man auch bei den tatsächlichen Experten häufig sich ändernde Auffassungen, die sich allerdings zumindest zum Teil auf neue Studien zurückgeführt werden können. Ganz generell dürfte wohl gelten, das die Kohlenhydrate weiterhin den größten Anteil an unserer Kalorienzufuhr ausmachen sollten. Dabei sollte allerdings der Anteil an freien Zuckern – wie Sachharose und Fruktose erheblich reduziert werden. Das Kapitel Ernährung folgt, hat auf dieser Homepage zunächst eine etwas  niedrigere Priorität.

 

 

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