Welche Bedeutung hat das Laktat?

Wenn der Anstieg des Laktat nicht den Übergang von einem vorwiegend aeroben zum vorwiegend anaeroben Stoffwechsel darstellt, welche Bedeutung hat der Laktat-Anstieg dann?

Sollte man die ganze Laktat-Diagnostik vergessen? Also weg mit dem ganzen Laktat-Unsinn?  Keines Falls. Die Laktat-Schwellen haben sich für die Trainingssteuerung als durchaus hilfreich erwiesen. Man sollte sich nicht von ihnen trennen, muss sie aber wohl anders deuten.

Laktat als Energiequelle

Laktat stellt schon in Ruhe eine wichtige Energiequelle für das Herz (> 10 % ) und das Gehirn dar!

Energiequellen des Herzens in Ruhe und unter Belastung ( 70 % VO2max ).

Unter Belastung ( in der Abbildung ca. 70 % der möglichen Maximalbelastung) benötigt das Herz nicht nur mehr Energie, sondern steigert die Energieverwendung aus Laktat auf deutlich mehr als 60 %. (Kaijser & Berglund, 1992).  Das Laktat wird direkt – so wie Glucose –  der oxidativen Glycolyse zugeführt.  Die Menge des vom Herzen verwendeten Laktat steigt unter den hier angegebenen Bedingungen um mehr als das 15-fache! Auch die Nutzung von Laktat zur Energiegewinnung im Gehirn steigt unter Belastung an, allerdings nicht so immens, wie am Herzen (Dalsgaard et al 2003). Zusätzlich dient der oxidative Abbau von Laktat der nicht an der Belastung beteiligten Muskulatur  zur Energiegewinnung! (Gladden, 2008)

Schon in Ruhe gewinnt das Herz mehr als 10 % seiner benötigten Energie aus der Verbrennung von Laktat. Mit zunehmender Belastung steigt nicht nur die Menge an benötigter Energie, sondern auch der Anteil der Energiegewinnung aus Laktat auf gut 60 % an. Nicht nur Trump wird das einen guten Deal nennen!

 

Laktat als Botenstoff, Hormon

Alles spricht dafür, dass dem Laktat – zusätzlich zur Funktion der Energiequelle – eine wichtige Signalfunktion zukommt, dass Laktat ein wichtiger Botenstoff ist.  Ein geringer Anstieg soll die verschiedensten Effekte auslösen: Von der Neubildung von Gefäßen (Angioneogenese) im belasteten Muskel bis hin zu der Annahme, dass der positive Effekt körperlicher Betätigung auf das Gehirn durch Lactat-Rezeptoren im Gehirn hervorgerufen wird.   Bergersen: Lactate transport and signaling in the brain: potential therapeutic targets and roles in body-brain interaction (2015).

Einen Botenstoff, der auch noch spezifische Rezeptoren hat, nennen wir üblicherweise Hormon!

Als Endokrinologe freut es mich natürlich, dass alles dafür spricht, Laktat als Botenstoff, als Hormon zu verstehen, wenn seine Rolle in der Energiebereitstellung für den beanspruchten Muskel bei Belastung doch eher zu vernachlässigen ist.

Ein guter Artikel – auch mal auf Deutsch – zum Thema Laktat als Hormon findet sich bei Wahl P; Bloch W; Mester J: Moderne Betrachtungsweisen des Laktats: Laktat ein überschätztes und zugleich unter- schätztes Molekül (2009).

Also ran an die Bewegung, je höher das Laktat, desto besser sogar für das Hirn? Sicher nicht!

Zitat aus der Süddeutschen Zeitung vom 14.1.17: „Im Zielbereich eines Langlauf-Wettbewerbs klingt es wie auf einer Krankenstation. Wenn die Skiläufer ihr Rennen beendet haben, beginnt das große Husten. Asthmatische Probleme sind im Ausdauersport weit verbreitet, besonders im Winter.“

Die ausführlichen Beschäftigungen der Sportwissenschaftler mit dem Laktat haben gezeigt, dass Laktat-Werte oberhalb der IANS, ( der begriff Anaerobe Schwelle geht mir nach obigen Darstellungen nicht mehr über die Tastatur) der LT2, der 2. Laktatschwelle, eine beginnende Übersäuerung des Organismus anzeigen mit all den damit verbundenen Problemen.

Gesucht wird daher ein Zielkorridor für einen vernünftigen Laktat-Anstieg. Wie immer:

Auf die Dosis kommt es an, auch bei der Bewegung!

So lange wir nichts besseres wissen:Für „Gesundheitssportler“ Training zwischen LT1 und LT2!

Laktat-Resistenz?

Wenn wir uns allerdings mit dem Laktat beschäftigen und seine tollen Wirkungen bei der Vermittlung der Segnungen unseres Organismus durch Sport, dann müssen wir aber auch eine Antwort auf das folgenden Phänomen suchen: Je schlechter die körperliche Leistungsfähigkeit eines Mensche, auch je übergewichtiger er ist, desto häufiger sehen wir hohe Laktat-Werte schon in Ruhe! Die Lebensdauer der gerade geschilderten, immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe ist allerdings niedriger, als die derjenigen, die ein niedriges basales Laktat aufweisen! Ist dieses Paradoxon eventuell auf eine Laktat-Resistenz in der betroffenen Gruppe zurückzuführen? – man fühlt sich so stark an die Insulin-Restistenz erinnert, dass ich fast Insulin-Resistenz anstelle von Laktat-Resistenz geschrieben hätte!

In einer Studie aus diesem Jahr (Chondronikola et al, 2018)   wurde auf den Zusammenhang zwischen der Insulin-Resistenz und einem hohen nüchtern Laktat hingewiesen.

Es bleibt viel zu forschen!!

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